Caline Aoun – The Threshold of Impermanence

by Kristin Schmidt

Aluminium schmilzt bei 660°, Kupfer bei über 1000°, Zink bei 419°. Diese Metalle zusammen zu giessen, erfordert Experimentierfreude, Geschick und eine gewisse Unverfrorenheit. Caline Aoun setzt nicht aufs Bewährte, sondern denkt die Dinge neu. Die 1982 in Beirut geborene und seit 2014 wieder dort lebende Künstlerin kennt die physikalischen Gesetzmässigkeiten; und sie probiert, riskiert, reizt deren Grenzen aus. So verbindet sie die Metalle zu langen Barren, denen die Hitze des Schmelzprozesses und die wirkenden Kräfte anzusehen sind. Die Colliding Forces (2026) gehören zu den statischen Werken der Ausstellung. Ein anderer Schwerpunkt liegt auf dynamischen Installationen. Beispielsweise kühlt Caline Aoun mit Aggregaten grosse Metallplatten und -rohre. Dadurch schlägt sich das Wasser aus der Raumluft an der Oberfläche nieder, gefriert, taut auf, tropft zu Boden. Befinden sich viele Menschen in der Ausstellung, steigt die Luftfeuchtigkeit und die Prozesse intensivieren sich. Aoun thematisiert hochaktuelle, ökologische Aspekte, zugleich weisen ihre Objekte Referenzen auf zur ungegenständlichen Malerei oder zur Arte Povera. Die Einzelausstellung ist die zweite, die sowohl im Kunstmuseum als auch in der Kunsthalle Appenzell zu sehen ist. In beiden Häusern präsentiert die Künstlerin Zustände, Momente der Veränderung und das Scheitern, wenn sie etwa Drucker zwingt, ihre Arbeit auch bei leeren Patronen fortzusetzen – Aoun bringt Materialien und Maschinen ans Limit.

Appenzell
Kunstmuseum und Kunsthalle, bis 25.10
kunstmuseum-kunsthalle.ch