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by Kristin Schmidt

THOMAS STÜSSI
«Pericenter», seit 2015, C-Prints auf Papier, 39,5 x 49,5 cm
Zwei Kleinwagen porträtieren die Vereinskultur im Appenzellerland. Sie sind ausgebrannt, die Kühlerhauben vom Zusammenprall zerknautscht. Hier war die Freiwillige Feuerwehr am Werk. Sie hat
die Fahrzeuge angezündet und gelöscht – damit das auch im Ernstfall klappt. Ähnliches erlebte Thomas Stüssi früher schon: Wenn die Freiwillige Feuerwehr einmal im Jahr das Löschen übte, bekamen auch die Kinder eine Aufgabe. So durfte der 1978 geborene und in Teufen aufgewachsene Künstler als Achtjähriger eine Benzinspur legen zu einem mit Strohballen gefüllten Schuppen und diese selbst anzünden. Die beiden Autos jedoch waren ein Zufallstreffer, wie so vieles, was Thomas Stüssi fotografiert. Sie stehen an einer Übergangszone zwischen Grün und Asphalt, zwischen Wanderweg und Landstrasse, inmitten einer Kulturlandschaft, die nur noch bedingt mit Natur zu tun hat. Solche Übergangssituationen haben es dem Künstler besonders angetan. So auch der Kreisel nahe der Ortseinfahrt ins Dorf Appenzell: Hier stehen zwei hölzerne Schwinger mit dunkler Hautfarbe auf einem Podest, daneben einige Felsbrocken, davor die Attrappe eines Wanderweges. Den Vorbeifahrenden zeigt sich ein Gestaltungswille, der sich kaum entschlüsseln lässt. Ohnehin ist Thomas Stüssi nicht an Offensichtlichkeiten interessiert. Er porträtiert eine komplexere Form von Gemeinschaft. Aufmerksam registriert der in Teufen und Zürich lebende Künstler die Veränderungen der Landschaft, der Vereine,
der Art zu feiern und zu leben und hält dies in seinen Fotografien fest: Manches fühlt sich noch so an wie vor zwei Generationen, aber das Neue lässt sich kaum negieren – so wie der vor Kunstra-
sen strotzende Platz mitten im grünen Appenzellerland.

Obacht Kultur, PORTRÄTS, No. 52 | 2025/2