Containers Love Disorder
by Kristin Schmidt
Die Masse der von Menschen und ihren Maschinen hergestellten Dinge übertrifft inzwischen die Biomasse der Erde. Immer mehr wird produziert. Immer schneller werden Gegenstände ausgetauscht gegen neue. Doch wohin mit den alten? Wie wäre es mit einer Schenkung an die Bibliothèque des Ready-Mades? Anaïs Wenger lädt dazu ein, ihr einen Gegenstand zu überlassen, der dann durch Titel und Objektbeschreibung zum Kunstwerk wird. Die Kunst Halle Sankt Gallen zeigt nun den Bestand von aktuell 300 Ready-Mades in der Ausstellung Containers Love Disorder. Die Schau mit insgesamt sieben Positionen spiegelt das Bedürfnis, zu ordnen und aufzubewahren – und das am passenden Ort, befindet sich doch die Kunsthalle in einem ehemaligen Lagerhaus.
Was für die Dingwelt gilt, lässt sich auch aufs Immaterielle beziehen: Dominic Michel arrangiert Klänge und ihren räumlichen Kontext. Oft sind es Zufallsfunde, aufgenommen mit dem Smartphone, die nun in einer losen Video-Folge abgespielt werden. Seine Arbeit Hollowware (2026) hingegen türmt die Leere auf: Sie besteht aus gestapelten Gastrogefässen aus der Konkursmasse von Hotels. Michéle Graf & Selina Grüter archivieren nicht, sondern transformieren. Aus Zahnrädern, Schwungfedern und Achsen bauen sie kleine Maschinen, die nichts Neues produzieren, sondern jenseits der Logik vor sich hin arbeiten. Eine Umdeutung praktiziert auch Matthias Sohr. Eine seiner Treppenlift-Skulpturen schraubt sich hier an einem Stützpfeiler empor – sie wurde ausgemustert, nun hat sie einen neuen Zweck, indem sie auf die Herausforderungen von Barrierefreiheit im Kunstkontext hinweist.
Kunst Halle Sankt Gallen, bis 31.5.
k9000.ch