TaDA: Ein Netzwerk für Textiles
by Kristin Schmidt
Der eine Stoff darf nicht auf dem Boden liegen, ein anderer wirkt aufgehängt zu flächig, ein dritter passt nicht auf den vorgesehenen Untergrund. Bis kurz vor der Eröffnung wird im Werk2 noch probiert, positioniert, verworfen, wieder probiert. Die ehemalige Industriehalle in Arbon wird zum Schauplatz für ein junges Ostschweizer Projekt, das doch bereits ein kleines Jubiläum feiert: Seit fünf Jahren gibt es die Textile and Design Alliance – kurz TaDA. Das Programm bietet jährlich sechs Residents aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, drei Monate mit Textilunternehmen in der Ostschweiz zusammenzuarbeiten und ein Atelier in Arbon zu nutzen.
Für Marianne Burki war zunächst der Ort der Anlass für eine Ausstellung. Die Kunst- und Architekturhistorikerin leitet TaDA seit Beginn und hat nicht gezögert, als im Frühjahr klar wurde, das Werk2 ist zu haben: «So eine Halle kommt nicht jeden Tag auf einen zu. Aber es wurde eine sportliche Angelegenheit.» Das liegt einerseits an der weit über den Globus verstreuten Herkunft der Residents – von Indien bis in die USA, von der Schweiz bis Südafrika, von Finnland bis Libanon – und andererseits an der grossen Vielfalt ihrer Projekte. Die einen arbeiten mit Spitze, die anderen mit Bioplastik, die nächsten mit Tonfrequenzen, die sich auf Moiré-Effekte beziehen. Es wurde gestickt, gestrickt, auseinandergetrennt und zusammengenäht, es wurden Theaterkostüme gestaltet und Installationen entworfen.
Wie lässt sich dieser formale Reichtum ausstellen? Marianne Burki ist pragmatisch vorgegangen und hat sich für eine chronologische Präsentation entschieden: «Wir haben ein strenges Konzept entwickelt und alles nach Jahren geordnet. Und wir haben nichts neu gebaut, sondern genutzt, was da war.» Alle Geräte, Container, Garderoben und Ständer in der Ausstellung stammen von den Partnerfirmen. Das passt: So bleibt der Halle der produktive Touch erhalten. Hier ist nichts aufgehübscht oder kaschiert. Zugleich hat jede Position ihren Raum, Interferenzen ergeben sich durch die gemeinsame Arbeit am Textilen von selbst.