Sammlung Kunstmuseum Appenzell: Aus dem Depot ins Museum
by Kristin Schmidt
Die Sammlung aus dem Depot und die Leute ins Museum holen – kein leichtes Unterfangen. Sonderausstellungen mit Grossen Namen, knackigen Themen und aufwendigen Inszenierungen ziehen naturgemäss die Leute an. Aber die Sammlung? Stefanie Gschwend hat einen Weg gefunden, die Bestände des Kunstmuseum Appenzell publikumsträchtig zu präsentieren. Die Direktorin von Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell setzt darauf, Beziehungen herzustellen und die Menschen zu involvieren. Gschwend hat ausgewählte Gruppen, Vereine, Institutionen und Einzelpersonen aus Appenzell eingeladen, sich im Depot ein Werk für die aktuelle Ausstellung auszusuchen. Besonders eindrücklich: die Auswahl von Bushra und Nayab Khakid, Bewohnerinnen des Asylzentrums Appenzell. Die Schwestern fühlten sich einerseits angesprochen von Carl Walter Liners Die Wasserträgerinnen (1937), weil es sie daran erinnerte, wie sie selbst in Pakistan die Lasten auf dem Kopf trugen. Andererseits bringt für sie Lorenz Springs Selbstgespräch (1993) zum Ausdruck, was sie zur Flucht bewogen hat – ein Gemälde, das die Brutalität der Welt einfängt.
Ausgangspunkt der Museumsammlung ist Heinrich Geberts Freundschaft mit dem Appenzeller Maler Carl Walter Liner (1914–1997). Der Unternehmer begann in den 1950-Jahren, Werke von Carl Walter und dessen Vater Carl August Liner zu sammeln und initiierte 1997 eine Stiftung, die heute Trägerin des Museums ist. Privat kauften er und seine Frau Myriam Gebert namhafte moderne und zeitgenössische Kunst. Teile dieser privaten Sammlung gaben sie ebenfalls an die Stiftung weiter. So verfügt das Kunstmseum Appenzell über Bestände von Kirchner bis Tàpies, von Arp bis Chillida, die vom Museum stetig mit aktuellen Werken ergänzt werden.
Daraus ist nun die vielstimmige Präsentation Lieblingswerke – Sammlung entstanden. Für Stefanie Gschwend war dieser Zugang erfreulich neu und anders als ein routinierter kunsthistorischer Blick. Die Kuratorin hat die Positionen mit weiteren Sammlungswerken ergänzt und in den Kabinetten des Hauses arrangiert. So ergibt sich aus der heterogenen Ausgangslage eine runde Ausstellung, die nicht nur das Stammpublikum ins Kunstmuseum lockt, sondern auch jene, die nun ihre Lieblingskunstwerke den Menschen in ihrem Netzwerk zeigen können.