by Kristin Schmidt

Eins nach dem anderen – der Titel von Sam Porritts (*1979) erster institutioneller Einzelausstellung in der Schweiz deutet eine Reihenfolge an: One Thing After Another (Drawings 2005–2025). Aber seine Schau in der Kunst Halle Sankt Gallen mit Zeichnungen zwei Jahrzehnten liefert weit mehr als eine chronologische Ordnung. Die Blätter sind zu einer grossen Installation verbunden: Eine auf halber Wandhöhe montierte hölzerne Zierleiste sorgt als räumliches Element für Verbindung und Trennung. Unterhalb dieser spielerisch gesetzten Linie hängen gerahmte Einzelwerke, darüber sind ungerahmte Blätter dicht platziert. Das Auge springt wieder und wieder über die gedrechselte Leiste hinweg und entdeckt Verwandtschaften in Form, Komposition und Strich. Manches fügt sich zu kleinen Serien, anderes ist zu grossen Konvoluten angewachsen wie die die schwungvoll zu Papier gebrachten Charakterköpfe oder die farbigen Muster und verschlungenen Ornamente. Porritt probiert aus, zeichnet schnell mit Tusche und Pinsel, arbeitet langsam mit Wachsmalkreiden, variiert, erfindet. Täglich, unermüdlich lässt der in Zürich lebende Künstler Blatt auf Blatt folgen und blickt zugleich voller Ironie auf seine Praxis: In Duty of Care (2020) wischt ein kleiner Schwenkarm mit einem Radiergummi unaufhaltsam eine Zeichnung nach der anderen vom Tisch: Der Stapel wird kleiner, aber die Zeichnungen verschwinden nicht, sie segeln zu Boden und breiten sich dort aus – sie sind überall. Kristin Schmidt

Sam Porritt, One Thing After Another
Kunst Halle Sankt Gallen, bis 15.2.2026
k9000.ch