Produktive Verweigerung

by Kristin Schmidt

Grosse Namen generieren Aufmerksamkeit – kein Name auch, zumindest im Kunsthaus Bregenz. Der markante Bau am Bodensee ist bekannt für sein Programm mit internationalen Kunstgrössen. Auch für die aktuelle Ausstellung war eine solche eingeladen. Dann allerdings kam alles ganz anders: Das gesamte Team des Kunsthauses Bregenz hat sich per Unterschrift dazu verpflichtet, den Namen der ausstellenden Person nicht zu verraten. Statt dem Renommee eines Individuums und der Institution zu dienen, sollen die Ausstellung und vor allem das Ausstellungsbudget Anderen zugute kommen. Das ist schlüssig, denn der gesamte Betrieb schaukelt sich gegenseitig hoch: Das Kunsthaus Bregenz zeigt, wer Rang und Namen hat, das wiederum steigert das Ansehen der Institution, deshalb will hier hin, wer etwas gilt oder gelten möchte.
Nun also die produktive Verweigerung, die sich bereits im Erdgeschoss schlüssig zeigt. Weil das Kunsthaus Bregenz dafür bekannt ist, zu jeder Ausstellung ein aufwendiges Buch zu produzieren, steht hier jetzt ein Kopiergerät aus den Büros des Teams. Wer will, kann sich damit die Montageanleitung und die Materialliste für ein Haus vervielfältigen. Dieses Haus wiederum hat sich im dritten Obergeschoss des Kunsthauses eingenistet. Wie ein Parasit saugt es dort die Energie seines Wirtes, darauf verweisen eigens die offen liegenden Leitungen im zweiten Stockwerk des Zumthor-Baus.
Strom, Wasser, Wärme – ohne das Kunsthaus als Mutterschiff wäre das Haus nicht funktionsfähig. Und doch ist seine Funktion sein zentraler Bestandteil. Zwar ist es aktuell nicht isoliert, aber die Wandpaneelen mit Steinwolle als Dämmung sind im ersten Stock aufgebaut, denn sie werden jetzt im Schutze des Kunsthaus Bregenz noch nicht gebraucht. Auch das Dach fehlt noch, lässt sich aber ebenfalls addieren: Das Haus ist vollständig modular aufgebaut. Es besteht aus Aluminiumplatten und Fertigbauteilen und hat beispielsweise eine normierte Monobloc-Edelstahltoilette, einen Kühlschrank, eine Kochstelle. Alles ist in einem Raum angeordnet. An zwei Seiten lassen sich die Wände hydraulisch nach oben öffnen. Anschlüsse und Generatoren sind unter dem Haus angebracht, zwischen den Stützen schlängeln sich Leitungen und Kabel. Die Gestaltung ist minimalistisch, funktional und auf lange Haltbarkeit ausgelegt, damit es wiederholt auf- und abgebaut werden kann – dort, wo es gebraucht wird. So sieht es das Konzept vor: Das Haus ist als Gabe, als Geschenk gedacht, es soll als Wohnatelier dienen und andocken können an andere Institutionen und Kunstorte. Der Verzicht auf Urheberschaft ordnet sich diesem Ziel unter: Damit soll das Kunstwerk dem Markt entzogen werden. Es will nicht als Spekulations- oder Liebhaberobjekt unbenutzt in einer Privatsammlung enden, sondern ein antikapitalistisches Zeichen setzen.

anonym
Kunsthaus Bregenz, bis 18.1.2026
kunsthaus-bregenz.at