Othmar Eder / Gisela Hoffmann
by Kristin Schmidt
Das Erdgeschoss ist der grössere Raum, das Obergeschoss der klarere. Die Ausstellung fragile bringt zwei künstlerische Positionen in der Kunsthalle Wil zusammen – und nicht alles funktioniert dabei auf Anhieb. Othmar Eder (1955), mit dem diesjährigen Kulturpreis des Kantons Thurgau ausgezeichnet, ist für seine Zeichnungen und Videos bekannt. Seine Beobachtungen der Natur und Bergwelt treffen auf die Rauminstallationen von Gisela Hoffmann (1963). Die Künstlerin, 2024 mit dem Grossen Kulturpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnet, spannt Textilstreifen zwischen Wände, Boden und Decke. Sie zerschneiden den Raum und stellen zugleich Beziehungen her, indem sie beispielsweise die Aufmerksamkeit schärfen für die Lamellenstruktur der Gebäudefassade. Wenn jedoch Eders gezeichnete Steine ausgeschnitten auf den Boden tapeziert werden und dann von dort aus Hoffmanns Textilbahnen starten, ist das wenig zwingend. Ausserdem verhindern zusätzliche Einzelwerke ohne formalen Bezug einen stimmigen Gesamteindruck.
Ganz anders im Obergeschoss: Eders Video aus dem Zugangsstollen für die neue Gotthardröhre bietet eine neue Perspektive auf sein Ausgangsmaterial, das hier in der grossformatigen Zeichnung Minerale (2023) präsent ist. Und Hoffmann zeigt mit den neonpink leuchtenden Raumlinien #95 (2025) ihr Gespür für die Tragstruktur des Hauses. Das Werk spannt sich so zwischen Boden und Balken, dass es sogar mit dem orangefarbenen Bauvisier vor dem Fenster zusammenrückt.
Kunsthalle Wil